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Unter Spinnaker gen Heimat

Sommertörn 2010 - Teil IISamstag, 31. Juli – Das Auto schwer beladen und mehrere Zentimeter tiefergelegt, machen wir uns auf den Weg zur MEU nach Kopenhagen. Wir, das ist die Crew um Skipper Moritz Wiskemann, bestehend aus Lucas Rieser, Gerrit Backmann, Hauke Baumeier und Merle Lassen.

Die Autofahrt geht nur schleppend voran. In Puttgarden müssen wir recht lange auf die Fähre nach Rødby warten. Die Autos reihen sich dicht an dicht; es ist Samstag und Dänemark ein beliebtes Ferienziel. Eine Packung Merci, die in der heißen Mittagssonne dahin schmilzt, sowie ein Pølser-Stand am Straßenrand sind die Retter der Stunde.

In Kopenhagen angekommen, ist die MEU schnell gefunden. Mit Peer Valentin und Freundin Steffanie erfolgt ein fliegender Crewwechsel nach einem kurzen und netten Klön an Bord. Wir liegen in Kopenhagens Innenstadt, was sich durch unzählige Touristendampfer und miserable sanitäre Anlagen bemerkbar macht. Die Zentralität des Liegeplatzes ist dennoch unschlagbar und so erhaschen wir einen Einblick in das Nachtleben der dänischen Metropole.

Sonntag, 1. August – Wir segeln mit schwachen südwestlichen Winden gen Norden. Der seit langem dem Zerreißen nahe Spinnaker erweist uns seinen letzten Dienst. Für einen Besuch im Museum Louisiana machen wir einen Zwischenstopp im Hafen Humlebæk. Im Museumspark verlocken die großen Hügel zum „Sich-Runterkugeln“. Dieses Vergnügen lassen sich die Männer der Crew zur Freude aller nicht entgehen. Die Kameraaufnahmen sorgen noch später für freudiges Gelächter. Als wir auslaufen und den Øresund hinauf zum Schauplatz von Shakespeares Hamlet segeln, hat der Wind bereits weiter abgenommen und weht aus Nordwest. Helsingør erreichen wir gegen Abend und fallen nach einem ausgiebigen Abendessen in die Koje.

Montag, 2. August – Bevor Ole Franzen zu uns stößt, besichtigen wir die Burg Kronborg und machen einen kurzen Spaziergang durch die Innenstadt. Hier steht die Luft und wir sind froh, am Mittag der Hitze entgehen und uns auf den Weg nach Mölle auf der schwedischen Halbinsel Kullen machen zu können. Während uns flaue nordwestliche Winde an die Nordspitze des Øresund tragen, beobachten wir mehrere Schweinswale, die nicht nur den weiblichen Teil der Crew begeistern. Erst spät erreichen wir Mölle, so dass uns ein Rundgang durch die schöne Landschaft leider verwehrt bleibt. Dafür haben wir äußerst nette und großzügige Liegeplatznachbarn.

Dienstag, 3. August – Bei schönstem Wetter mit beständigen Winden segeln wir weiter nordwärts und erreichen Hallands Vädero, eine Insel mit Schärencharakter vor der Westküste Schwedens (Torekov). Das Anlegen an der Schäre gestaltet sich auf Grund geringer Wassertiefe nicht ganz einfach. Dank Gerrits Springkünsten und einem langen Brett an Land können wir sicher an der Schäre festmachen. Trotz der geringen Wassertemperatur wagen wir den Sprung ins kühle Nass und verbringen einen schönen Abend. 

Mittwoch, 4. August – Der Wind weht weiterhin aus Nordwest mit 3 Bft. Die Insel Anholt können wir gerade so anliegen, und als wir den Hafen am späten Nachmittag erreichen, ist dieser erstaunlich leer. Das altbekannte Chaos aus endlosen Päckchen und Heckankern bleibt uns erspart. Am Strand verführt der weiße Sand zu ein paar Runden Kubb, und so lassen wir den Abend entspannt ausklingen.

Donnerstag, 5. August – Den Tag beginnen wir mit einem Sprung in die Fluten sowie einem gemütlichen Frühstück. Die Windvorhersagen prognostizieren Sturmböen wie auch Flaute, so dass wir erst einmal abwarten und den Vormittag nutzen, um die Insel zu erkunden. Die Entscheidung, im Hafen zu bleiben, erweist sich als richtig. Denn kurz darauf bekommen wir die Böen eines Gewitters mit Windgeschwindigkeiten bis zu 40 Knoten zu spüren. Vom vielen Regen lassen wir uns die Stimmung jedoch nicht verderben und genießen zum Abendessen „Friske Fiske“ vom Fischer am Hafen.

Freitag, 6. August – Früh am Morgen laufen wir aus in Richtung Samsø. Ole hat uns auf Anholt verlassen und die Fähre zum Festland genommen; die Arbeit ruft. Der Wind weht anfangs mit 3 Bft. aus West, nimmt dann jedoch stetig ab und dreht über Nord auf Ost. Bis der Wind gegen Abend gänzlich einschläft, können wir unter Spinnaker südwärts segeln. Bevor wir den Rest der Strecke motoren müssen, genießen wir den lauen Sommerabend mit traumhaftem Sonnenuntergang. Unter sternenklarem Himmel laufen wir nachts in Ballen ein.

Samstag, 7. August – Auch heute bleibt es schwachwindig und bis auf ein paar Stunden unter Spinnaker kommen wir nur mit Motor voran. Dies nutzen wir, um das Deck ausgiebig zu schrubben. Dabei entdecken wir ein Leck am Steuerstand, aber nach erfolgreicher Abdichtung kann es mit dem Schrubben weitergehen. Die Zeit unter Motor bis Kerteminde können wir damit gut überbrücken.

Sonntag, 8. August – Pünktlich zum Sonntag frischt der Wind wieder auf und so können wir bei Nordwest 3-4 Bft. unter Spinnaker weiter gen Heimat segeln. Das enge Fahrwasser nach Langø will kaum enden, und als wir endlich den Hafen erreichen, ist dieser fast vollkommen leer. Zwar regnet es inzwischen, doch grillen wollen wir trotzdem. Da wir keine Liegeplatznachbarn und somit niemanden haben, den wir stören könnten, wird dieser Abend ein wenig länger...

Montag, 9. August – Ehe wir uns am Morgen einem ausgiebigen Frühstück widmen, wagt Gerrit den Sprung ins Hafenbecken, um die Pütz zu retten, die auf dem Grund verweilt. Als wir auslaufen, weht der Wind mit 5 Bft. aus Südwest. Mit Reff II und Genua III können wir bei Welle gegenan die Tonne Flüggesand gerade anliegen. Den Fehmarnsund passieren wir unter Spinnaker bei Sonnenuntergang - schöner könnte die Abendstimmung nicht sein. Burgtiefe erreichen wir in der Dämmerung. Auf Fehmarn herrscht eine Mückenplage und das neue Duschgebäude erstrahlt dank der vielen Insekten in tiefschwarz.

Dienstag, 10. August – Die Strecke zum Heimathafen müssen wir zunächst kreuzen, allerdings bei guten Winden und Sonnenschein. Plötzlich schreckt uns ein lautes Dröhnen auf. Ein Sportkunstflugzeug fliegt sehr tief und dicht an uns vorbei – man grüßt sich mit einem Lächeln. Später dreht der Wind auf Ost und lässt kontinuierlich nach. Die Zeit nutzen wir zum Packen und Aufräumen. Als wir in Travemünde ankommen, geht ein schöner Törn zu Ende, der ganz unverhofft mit einer Reihe von Spinnaker-Kursen begeisterte.

 

Merle Lassen 

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